Es gibt keine Heilung bei Neurodermitis, aber bei den meisten Patienten führen eine Behandlung mit der richtigen Hautpflege und ein Überdenken der Lebensgestaltung zum Erfolg.
Bei der Therapie dieser Krankheit werden 3 Hauptziele verfolgt:
Ein Grossteil dieser Maßnahmen beinhaltet den Aufbau eines regelmäßigen Hautpflegeprogramms, das Erkennen der Faktoren, die einen negativen Einfluss auf die Krankheit haben, und die Vermeidung von Situationen, die eine Entzündung der Haut und somit den Teufelskreis von Juckreiz und Kratzen auslösen (Praktische Ratschläge).
Emollientia oder Feuchtigkeitsspender stellen eine der wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten für die Neurodermitis (atopisches Ekzem) dar, weil sie die verlorengegangene Feuchtigkeit ersetzen und der Haut dabei helfen, die Feuchtigkeit zu binden. Auf diese Weise regenerieren sie die Weichheit, Geschmeidigkeit und Flexibilität der Haut.
Im Rahmen der Neurodermitis stellen die Emollientia auch die epidermale Barriere wieder her, zusätzlich können sie auch lokale entzündungshemmende Wirkungen entfalten. Bei sachgemäßer Anwendung können sie zudem den Gebrauch von Kortikosteroiden niedrig halten. Sind Emollientia nicht effektiv, so liegt das häufig an der falschen Anwendung.
Wie nutze ich die Emollientia optimal?
Wählen Sie ein für den betroffenen Hautbereich geeignetes Produkt. So braucht zum Beispiel die trockene Haut am Bein in der Regel reichhaltigere (fettigere) Emollientia als trockene Gesichtshaut.
Wenden Sie gehaltvollere (stärker rückfettende) Emollientia nachts an.
Nutzen Sie Emollientia als Badewasserzusätze.
Tragen Sie die Emollientia innerhalb von 3 Minuten nach dem Baden oder Duschen auf, damit das von der Haut aufgenommene (resorbierte) Wasser "eingeschlossen" werden kann.
Nehmen Sie einen Seifenersatz (z.B. eine wässrige (Öl-in-Wasser) Creme) zur Hautreinigung
Tragen Sie die Emollientia häufig auf.
Topische (d.h. lokale = äußerlich anzuwendende) Kortikosteroide sollen bei Neurodermitis die Entzündung zum Stillstand bringen. Die übermäßige Anwendung eines stark wirksamen Steroids kann aber zu Hautverdünnung, Dehnungsstreifen und steroid bedingter Akne rosacea (im Gesicht) führen.
Der Markt bietet viele topische Kortikosteroid-Präparate, die Auswahl richtet sich nach dem Alter des Patienten, der Größe und Lage des befallenen Bereichs, dem Schweregrad der Krankheit und der Dauer der Behandlung.
Topische Kortikosteroide - Einteilung und Anwendung:
Topische Kortikosteroide (Steroide, Cortison) sind äußerst wirksam, wenn das richtige Produkt in der richtigen "Dosis" über einen kurzen Zeitraum angewendet wird.
Wie nutze ich topische Kortikosteroide optimal?
Achten Sie darauf, dass Sie genau wissen, für welchen Teil des Körpers Ihnen das topische Kortison verschrieben wurde.
Verwenden Sie das Mittel in der angegebenen Dosierung, bis die Erkrankung unter Kontrolle ist.
Tragen Sie das topische Kortikosteriod-Präparat ein- oder zweimal täglich sparsam und dünn auf die betroffenen Bereiche auf.
Dosieren Sie mit Hilfe der so genannten "finger tip unit": Eine FTU entspricht dabei dem Salbenstrang, der von der Zeigefingerkuppe bis zur ersten Falte des Fingers reicht. Manche topischen Steroidcremes werden in Dosierspendern mit Pumpe angeboten, und einmaliges Betätigen der Dosierpumpe entspricht dann 2 FTU.
Die folgende Tabelle zeigt die empfohlene Salbenmenge in FTU zur Auftragung auf verschiedene Körperflächen:
| Körperfläche | Erforderliche Anzahl FTU topischer Steroide bei Erwachsenen |
|---|---|
| Gesicht und Hals | 2,5 |
| Rumpf (vorne) | 7 |
| Rumpf (hinten) | 7 |
| Ein Arm | 3 |
| Eine Hand | 1 |
| Ein Bein | 6 |
| Ein Fuß | 2 |
Müssen kleinere Bereiche behandelt werden, gilt als Faustregel: eine halbe FTU reicht für die Behandlung einer Fläche vom Ausmaß eines Handtellers
Teer- oder ichthammolhaltige Präparate haben eine lindernde, entzündungshemmende und leicht antiseptische (desinfizierende) Wirkung auf die Haut und können die zur Behandlung erforderliche Menge an topischen Kortikosteroiden verringern. Shampoos auf Teerbasis können bei schuppiger Kopfhaut vorteilhaft sein, Salizylsäure- und Schwefelzusätze reduzieren die Hautschuppung.
Teerpräparate können zu Hautreizungen, akneähnlichen Hautausschlägen und Sonnenlichtempfindlichkeit führen, solche Effekte treten jedoch nicht häufig auf. Ichthammol hat eine schwächere Reizwirkung, ist dafür aber auch weniger wirksam.
Teerhaltige Präparate dürfen weder auf feuchte und nässende Hautstellen noch auf verletzte Haut aufgetragen werden; Kontakt mit den Augen ist zu vermeiden.
Feuchte Umschläge mit Kaliumpermanganat in einer Verdünnung von 1 : 8000 sind in Einzelfällen bei akuter, nässender Neurodermitis und bei Blasenbildung an Händen und Füssen geeignet. Baden des Arms oder des Beins in dieser Lösung ist ebenfalls möglich. Der betroffene Körperteil wird 3 bis 4 mal täglich jeweils bis zu 20 Minuten in diese Lösung getaucht.
Die blassrosa Kaliumpermanganatlösung hinterlässt Flecken auf Haut, Kleidung und Badewanne. Sie ist also vorsichtig anzuwenden.
Freiverkäufliche Antiseptika-Cremes sind zur Behandlung von Neurodermitis nicht empfehlenswert. Sie enthalten häufig Duftstoffe oder andere hautreizende Bestandteile.
Heuschnupfensymptome (Niesen, Juckreiz in Nase und Augen) werden häufig mit Antihistaminika behandelt, da die Freisetzung von Histamin damit verringert werden kann. Die Freisetzung von Histamin führt zu Juckreiz und Entzündung. Gelegentlich lässt sich auch eine positive Wirkung auf den Juckreiz bei einer Neurodermitis beobachten, obwohl nur eine teilweise Linderung der Beschwerden zu erwarten ist.
Die Antihistaminika zur oralen Einnahme lassen sich in zwei Gruppen einteilen: sedierende - die zu Benommenheit führen - und nicht sedierende - die das viel weniger oder nicht tun.
Sedierende Antihistaminika empfehlen sich für die Behandlung von erwachsenen Neurodermitikern mit Schlafproblemen. Tagsüber können die nicht-sedierenden Antihistaminika eingenommen werden, ohne dass das Konzentrationsvermögen beeinträchtigt wird.
Die kurzzeitige Anwendung von Antihistaminsalben oder -cremes lindert die Beschwerden durch Insektenbisse und -stichen. Für die Dauerbehandlung des Juckreizes bei Neurodermitis sind sie nicht geeignet, da ihre Auftragung auf die Haut häufig allergische Reaktionen auslöst.
Ultraviolettes Licht (UVB - Ultraviolett-B oder PUVA - Psoralen + Ultraviolett-A) kann einen gewissen Stellenwert in der Behandlung der chronischen Neurodermitis einnehmen, wenn diese auf andere Behandlungsmethoden nicht anspricht. Für eine wirksame Therapie sind unter strenger ärztlicher Aufsicht zwei oder drei UVB- oder PUVA-Sitzungen pro Woche erforderlich. Kinder unter einem Alter von 10 Jahren werden im allgemeinen nicht mit Lichttherapie behandelt.
Immunsuppressiva sollen einige der an Entzündungsreaktionen beteiligten Prozesse beeinflussen, die in der Haut von Patienten mit atopischem Ekzem beobachtet werden. Sinnvoll können sie bei Neurodermitis mit ungewöhnlich starker Ausbreitung sein, wenn andere Behandlungen erfolglos bleiben oder wenn die Krankheit schwer behindernd ist.
Zurzeit gibt es zwei Medikamente in dieser Gruppe: oral einzunehmendes Cyclosporin und äußerlich anzuwendendes Tacrolimus. In der Regel werden diese Medikamente nur von Fachärzten für Hautkrankheiten verschrieben.
Eine Behandlung mit Cyclosporin muss sorgfältig überwacht werden, da sie zur Nierenschädigung und hohem Blutdruck führen kann.
Es gibt noch eine Reihe von Arzneimitteln, mit der nicht die Neurodermitis an sich, sondern gelegentlich die Beschwerden wie Hautinfektionen behandelt werden, die eine bestehende Entzündung und Unannehmlichkeiten durch die Krankheit verschlimmern können.
Zwar ist Neurodermitis an sich nicht ansteckend, aber die vorgeschädigte Haut kann leicht von Bakterien oder Hefepilzen angegriffen und infiziert werden.
Zur Bekämpfung eines Aufflackerns der Krankheit bietet sich in Einzelfällen die kurzfristige Behandlung mit einem Antibiotikum oder einem Kombinationspräparat aus einem Antibiotikum und einem topischen Kortikosteroid an.
Äußerlich anzuwendende Antibiotika sollten nur kurzfristig gebraucht werden, weil die Möglichkeit einer Sensibilisierung der Haut für die Antibiotika selbst besteht, was wiederum die Entzündung der Haut verschlechtern würde.
Pilzinfektionen entwickeln sich gerne in warmer, feuchter Umgebung wie Hautfalten und Zehenzwischenräumen. Hier eignet sich am besten eine topische Antipilzbehandlung.