Gründe der atopischen Dermatitis

Die epidermale Barriere

Die Epidermis (Oberhaut) besteht aus dicht aneinander gelagerten Keratinozyten-Schichten (Hautzellen), die in der Basalschicht (Stratum basale bzw. germinativum) gebildet werden und dann allmählich nach oben in die oberste Schicht, das Stratum corneum (Hornschicht), wandern. Das Stratum corneum enthält abgeflachte, tote Zellen, die keinen Zellkern mehr besitzen (die so genannten Corneozyten) und allmählich abgestoßen werden. Zwischen diesen beiden Schichten finden erhebliche Aktivitäten statt, während die Keratinozyten heranreifen. Im Stratum granulosum (Granulosaschicht) wird eine Lipidsubstanz (eine fettige Substanz) produziert. An der Grenzfläche von Stratum granulosum und Stratum corneum werden die Lipide aus den Zellen in die Corneozyten-Zwischenräume gepresst. Diese "Barrierelipide" bilden eine homogene Schicht, die schließlich alle Zellen bedeckt und sie aneinander "klebt".

Auch wenn die Zellen ständig von der Oberfläche des Stratum corneum abgeschilfert werden, sind die tieferen Schichten dennoch eng miteinander verbunden. Die Unversehrtheit dieser Schicht ist wichtig, um einen Wasserverlust aus der Haut zu vermeiden. Die Barrierelipide wirken wie Zellkitt, der die Zellen zusammenhält. Die Corneozyten selbst enthalten eine wasserbindende Substanz - den natürlichen Feuchthaltefaktor (Natural Moisturizing Factor, NMF), der dafür sorgt, dass das Wasser in den Zellen bleibt. Zellen mit hohem Wassergehalt schwellen an und sind eng aneinander gepresst, wodurch gerissene und gesprungene Haut vermieden wird. Ein gesundes Stratum corneum hat einen relativ hohen Wasseranteil und ist elastisch und geschmeidig.

Bei Neurodermitis vermutet man einen genetischen Defekt in dem Prozess, der für das Freisetzen der Barrierelipide in die Zellzwischenräume verantwortlich ist. Demzufolge wird im unteren Teil des Stratum corneum keine normale Schutzschicht aus Barrierelipiden geformt. Das Fehlen eines wirksamen "Zellkitts" führt zu einer gestörten Barrierefunktion und erhöhtem Wasserverlust aus dem Stratum corneum. Mit dem Wasserverlust schrumpfen die Zellen des Stratum corneum und es bilden sich Risse zwischen ihnen. Das Nettoergebnis ist trockene Haut, die weder gut Wasser binden noch das Eindringen von Reizstoffen oder Allergenen verhindern kann. Diese Veränderungen lassen sich auch in gesunder Haut beobachten, wenn die epidermalen Lipide durch den wiederholten Gebrauch von Reinigungsmitteln oder Lösungsmitteln ausgewaschen werden. Die Anwendung von Seife auf ekzematöser Haut entfernt noch mehr Lipide und verstärkt die Störung der Barrierefunktion, was letztendlich zur Ausbildung ekzematöser Läsionen führt. Personen mit Ekzemen reagieren empfindlicher auf die Wirkungen von Seifen und Tensiden, und sogar die auf den ersten Blick noch nicht betroffene Haut hat eine geringere Reizschwelle als gesunde Haut.

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